Stück

«We me’s treybt, so hed me’s» (Originaltitel)
Ein Literaturklassiker von Jeremias Gotthelf
verfilmt als «Die Käserei in der Vehfreude»
Vehfreude heisst ein eher verschlafenes Dorf im Emmental. Es hat die Konjunktur verpasst, denn in den Nachbarorten hat man Käsereien errichtet und verdient damit grosses Geld. Da reift auch bei den Männern in der Vehfreude ein Entschluss: Statt eines dringend benötigten neuen Schulhauses baut man lieber eine Käserei und setzt alles auf eine Karte. Auf Teufel komm raus liefern die Bauern ihre Milch an, auch verdünnte und solche von kranken Kühen.

Die Frauen sind frustiert, weil sie fortan ohne «Nidel» auskommen müssen. Ehrbare Angebote von Käsehändlern werden ausgeschlagen, damit man mit dem «Käsefürst» von Langnau ins Geschäft kommen kann. Doch wie dieser schliesslich den Käse prüft, findet er ihn von zweifelhafter Qualität und lässt die geldgierigen Verkäufer abblitzen.

Die Lehre ist hart, aber wirksam. Langsam kommt man im Dorf wieder zu vernünftigen An- und Einsichten. Und sogar die zarte Liebesgeschichte zwischen Felix, dem Sohn des Gemeindeammanns, und dem Verdingkind Änneli nimmt ein gutes Ende.

Anmerkungen

  • Gehört zu Gotthelfs Spätwerken, ist aber im Gegensatz zu den meisten anderen Werken dieser Zeit nicht von politischer Sorge geprägt, sondern sehr humorvoll.
  • Gotthelf hatte die Vehfreude 1849 geschrieben, ein Jahr nach dem Sieg der Radikalen, dem er äusserst kritisch gegenüber stand. Einige Figuren (Eglihannes) scheinen Porträts radikaler Politiker zu sein. Seine Darstellung des Dorfes ist im Ganzen schonungslos, zeigt aber auch Positives. Aberglauben spielt in der Vehfreude eine grosse Rolle (Dürluft Eisi versucht die Nägelibodenbäuerin totzubeten und verschreit sie als Hexe, etc.).
  • Die Frauen kommen nicht gut weg. Die Amännin, Bethi (Nägeliboden) und Änneli sind die Kontrapunkte dazu.
  • Die Frauen lehnten die Käserei ab, weil sie wussten, dass sie ihnen die Macht über die Milch nehmen würde. Der Kampf und die Käserei wird so zu einem Kampf zwischen den Geschlechtern und die Käserei zum Sinnbild des politischen Treibens.
  • Käserei in der Vehfreude steht als schwankhafte Chronik in der Nachfolge der Schildbürger.

 

Verfilmung

Franz Schnyder drehte 1958 die Gotthelf-Verfilmung «Die Käserei in der Vehfreude». Der Film kostete die damals enorme Summe von einer Million Franken.


Die Darsteller sind ebenso populär wie profiliert. Margrit Rainer und Ruedi Walter spielen mit, Emil Hegetschweiler, Heinrich Gretler, Max Haufler und Margrit Winter.


Das Publikum strömte zu den Vorführungen. Drei von vier Schweizern sahen den Film - ein Ergebnis, das nicht einmal «Vom Winde verweht» erreichte. Das eigenwillige ländliche Epos schaffte seinen Weg sogar in die deutschen Kinos. Dort lief der Film unter dem eher befremdlichen Titel «Wildwest im Emmental».

Autor

gotthelf

Jeremias Gotthelf

eigentlich: Albert Bitzius, geboren am 4. Oktober 1797 in Murten/Katon Freiburg, gestorben am 22. Oktober 1854 in Lützelflüh/Kanton Bern.

Gotthelf stammte aus einer alten Berner Beamten- und Pfarrersfamilie. Nach Besuch des dortigen Gymnasiums (1812-1814) erhielt er eine theologische Ausbildung auf der Berner Akademie (bis 1820). 1821 verbrachte er ein Semester in Göttingen und machte anschließend eine Reise durch Norddeutschland - seine einzige »Auslandserfahrung«. Danach war er zunächst Vikar beim Vater in Utzenstorf, dann in Herzogenbuchsee/Kanton Bern. Der Eintritt ins geistliche Amt ist zugleich der Beginn einer starken pädagogischen Tätigkeit, besonders auf dem Gebiet der Schulbetreuung und Lehrerausbildung, wobei sich Gotthelf, der sich politisch am (nicht radikalen) liberalen Flügel exponierte, bald in einen Streit mit den Behörden verwickelte. 1824 wurde er als Vikar an die "Kirche zum Heiligen Geist" in Bern berufen, 1831 auf die gleiche Stelle in Lützelflüh im Emmental, wo er ab 1832 als Pfarrer wirkte. 1833 heiratete er (drei Kinder).

Durch die Verfassung von 1831, die für Geistliche das Verbot politische Betätigung aussprach, wurde seinem Engagement ein abruptes Ende gesetzt. Als eine Art Kompensation war Gotthelf zunächst auf der Ebene des Erziehungs- und Armenwesens energisch bemüht, die allgemeine Volksschule durchzusetzen; als großes Vorbild wirkte Pestalozzi . In die Zeit nach 1834 fallen seine schriftstellerisch-publizistischen Anfänge. Aus einer volkspädagogischen Aktion gegen den Alkoholismus gingen Gotthelfs erste Versuche in der Kurzerzählung hervor. 1841-1844 übernahm er die Redaktion des »Neuen Berner Kalenders«. Nach der Amtsenthebung als Schulkommissär 1845 infolge seiner Kritik am bernischen Erziehungsdepartement und überhaupt seiner zunehmend kritischen und konservativen Einstellung zu Staat und Gesellschaft wegen wurde Gotthelf zu einem immer unbequemeren Zeitgenossen; in seinen späteren Werken ist ein satirischer oder düsterer Grundton unüberhörbar.

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Nächstes Jahr spielen wir das mittelalterliche Schauspiel „Der kleine Sündenfall“ von Cäsar von Arx unter dem Titel „Der chley Sindefall“ in Nidwaldner Mundart. Es ist eine wundersame Liebesgeschichte wie „Romeo und Julia“ aus der Feder eines Schweizer Dichters.

 

Regie führt erstmals Werner Imfeld aus Schwyz.

 

Das Stück spielt im 16. Jahrhundert in einer Kleinstadt im Mittelland.

 

 

Inhalt:        Die junge Violande, die Tochter des Bürgermeisters Hartung von Rechberg, verlobt mit Ratsherr Basilius Ospernell, ist gestorben und wird in der Gruft beigesetzt.  Ihr Vater ist untröstlich. In einer billigen Spelunke, wo Dirnen und Räuber verkehren, stiftet die Dirne Irmeltraut den jungen Räuber Ueli Schächer an, den wertvollen Verlobungsring vom Finger der Verstorbenen zu stehlen. Beim Grabraub entdeckt Ueli, dass Violande nur scheintot ist. Er bringt die junge Frau ihrem Vater zurück.

 

Hartung von Rechberg, der auch das Richteramt bekleidet, ist überglücklich darüber, dass er durch den Grabraub sein Kind zurück erhalten hat. Andererseits aber ist er unglücklich darüber, dass er Ueli Schächer für seinen Grabraub verurteilen und mit dem Tode bestrafen müsste, denn Gesetz ist Gesetz. Ein Räuber darf jedoch nicht von einem ordentlichen Richter, sondern nur von seinesgleichen abgeurteilt werden. Uelis Räuberkumpane, die kurzfristig zu Richtern erkoren werden, sehen keinen Ausweg, Ueli vor dem Galgen zu bewahren und verurteilen ihn zum Tode. Er kann nur gerettet werden, wenn ihn eine Jungfrau „ab dem Galgen zum Manne begehrt“. Das Paar müsste dann jedoch vom Ort verbannt werden.

 

Violande bittet die Mädchen und Dirnen des Ortes, den jungen Räuber zu retten. Sie will all ihren Schmuck dafür hingeben. Irmeltraut begehrt nur den Verlobungsring. Violande gibt ihr diesen. Ueli aber  - der sich in Violande verliebt hatte -  verweigert eine Ehe mit Irmeltraut; lieber geht er in den Tod. 

 

Ob die Bitten Violandes erhört werden und Ueli der Galgen doch noch erspart bleibt, erfahren Sie bei einem Besuch in unserem schönen Theater am Dorfplatz.